Zärtlichkeit
Neben der elektrischen Stimulation spielen auch Luftkühlung und Reifung eine wichtige Rolle bei der Steuerung der Leichenstarre. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Luftkühlungssystem „Shock Maturation“ von JBT Marel. Eine sorgfältig gesteuerte Kühlung beeinflusst die Enzymaktivität und den Proteinabbau (Proteolyse). Beides trägt zur Zartheit des Fleisches bei. Zusammen ermöglichen diese Maßnahmen den Verarbeitern, die Gesamtverarbeitungszeit zu verkürzen und gleichzeitig eine gleichmäßige Entwicklung der Leichenstarre zu gewährleisten sowie eine hohe Produktqualität sicherzustellen.
Reifekühlung
Das Zartheitsmanagementsystem von JBT Marel umfasst auch die „Shock Maturation Chilling“-Technologie. Während RapidRigor darauf abzielt, die Leichenstarre durch elektrische Stimulation zu beschleunigen, wendet „Shock Maturation Chilling“ ein zweistufiges Luftkühlungsverfahren an, das zur Zartheit des Fleisches beiträgt. Die erste, kurze Stufe umfasst die Zirkulation von Kaltluft (-1 °C) durch Ventilatoren mit hoher Ausströmungsgeschwindigkeit. In der zweiten Reifungsphase wird das Produkt langsamer mit einem sanften Luftstrom aus weniger kalter Luft bei geringerer Ausströmungsgeschwindigkeit gekühlt. In dieser Phase wird das Produkt so lange wie möglich bei Temperaturen gehalten, bei denen der Proteinabbau am stärksten ist, wodurch dieser beschleunigt wird. Zusammen ermöglichen diese Technologien den Verarbeitern, die Leichenstarre proaktiv statt reaktiv zu steuern. Je nach Produktgewicht kann eine dreistündige Reifung eine Filetzartigkeit erzielen, die der nach vielen Stunden Offline-Lagerung entspricht oder diese sogar übertrifft, wodurch sich die Haltbarkeit für den Kunden verlängert.
Die Dinge selbst in die Hand nehmen, statt abzuwarten
Durch die aktive Steuerung der Leichenstarre, anstatt abzuwarten, bis diese auf natürliche Weise abläuft, gewinnen Geflügelverarbeiter mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Produktionslinien und der Terminplanung. Zartes Brustfleisch kann kurz nach der Kühlung entnommen werden, die Verarbeitungszeiten verkürzen sich und die Produktqualität wird gleichmäßiger. In der modernen Geflügelverarbeitung geht es beim Umgang mit der Leichenstarre nicht mehr um Verzögerung, sondern um Kontrolle – darum, biologisches Wissen in einen gut gesteuerten, effizienten Prozess zu integrieren.